Mit Rucksack pilgern auf dem Jakobsweg (Route: von den Pyrenäen in Frankreich nach Santiago de Compostela in Spanien), Teil I: Vorbereitung

Unterwegs auf dem berühmten Jakobswegs mit dem Tourenrucksack Tour Bag 50. Outdoorer Kunde Joachim Lentz berichtet von seiner Pilgerreise.

 „Dieser Weg ist hart und wundervoll. Er ist eine Herausforderung und eine Einladung. Er macht dich kaputt und leer. Und er baut dich wieder auf. Er nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück.“

So beschreibt Entertainer Hape Kerkeling den berühmten Jakobsweg in seinem Buch „Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg“. Die Strecke vom französischen St.-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela in Spanien ist weltweit bekannt und Ziel tausender Pilger.JakobsmuschelLesen Sie Teil I (Vorbereitung und Anreise – Pyrenäen) der spannenden Pilgergeschichte von unserem Kunden, Herrn Joachim Lentz aus Lübeck, der mit dem Outdoorer Rucksack Tour Bag 50 auf dem „Camino Francés“ unterwegs war.

Begleiten Sie ihn auf seinen weiteren Etappen (Navarra – Pamplona – Burgos – Meseta – León – Ponferrada – Galicien – Santiago – Finisterre – Fisterra).

Lassen Sie sich inspirieren – vielleicht schlüpfen auch Sie schon bald in Ihre Wanderschuhe und spazieren los…

Vorgeschichte

Nach 15 Jahren in der sozialen Arbeit wurde es mal wieder Zeit, eine Auszeit zu nehmen. Zu Weihnachten schenkte ich meiner Frau das Buch von Hape Kerkeling: „Ich bin dann mal weg…“. Doch ─ sie kannte das Buch schon. Folglich habe ich das Buch über Weihnachten gelesen und den Gedanken gefasst, diesen Weg selber zu machen…

Also habe ich die vielen vielen Beiträge im Internet zum Thema „Jakobsweg“ studiert und bin für mich zu einem Entschluss gekommen, wie ich das Unternehmen am besten umsetzen könnte:

  1. den „Camino Francés“ von St. Jean-Pied-de-Port (Südfrankreich) nach Santiago de Compostela, weil er am besten ausgebaut und in ca. 5 – 6 Wochen zu schaffen ist;
  2. im Spätsommer und Frühherbst, weil dann die große Hitze- und die große Reisewelle vorbei sind,
  3. alleine, weil man dann offener für alles Neue ist.

Dann gibt es Gespräche mit meiner Schulleitung; ein Glück, dass wir ein freier Träger sind und die Schulleitung mein Vorhaben für mich, als langjährigen Mitarbeiter, genehmigt.

Vorbereitung und Ausrüstung für Ende August – Mitte Oktober 2015

Anreise:

Ich entscheide mich für eine geruhsame, zeitlich längere Anreise per Bahn nach St. Jean über Karlsruhe – Paris – Bayonne – St. Jean-Pied-de-Port. Früh gebucht, ca. 6 Monate vorher für 70 €.

→ Tipp: Titanic-Bahnreisen in Berlin haben mich gut beraten.

Kosten:

Die Preise für Übernachtungen (nur mit Pilgerausweis und Personalausweis!!) lagen in diesem Jahr zwischen 5 – 10 €. Die öffentlichen Herbergen sind meist etwas günstiger, die privaten sind oft etwas besser ausgestattet.

Pilgermenü, warmes Drei-Gänge-Menü abends (Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch, Wein / Wasser, Brot) 8,50 € – 12 € in unterschiedlicher Qualität.

  • Kosten pro Tag ca. 30 €
  • Kosten für An- und Abreise: ca. 200 – 300 €
  • Kosten für die Ausrüstung: ca. 1.000 €

Es empfiehlt sich, Bargeld immer in einer Gürteltasche bei sich zu tragen und nur soviel Bargeld abzuheben, wie man für die nächsten Tage benötigt. In allen größeren Orten gibt es Bargeldautomaten, mit denen es keinerlei Probleme gab. Ich habe die Gürteltasche auch mit zum Duschen genommen.

Tipp: Giro-Konto einrichten bei der DKB-Bank (Internet-Bank). Das ist m.W. die einzige Bank, die eine kostenlose Visa-Karte ausstellt. Rechtzeitig vor Reiseantritt beantragen, mindestens 4 Wochen vorher! Mit der Visa-Karte kann man kostenlos an allen Automaten Geld abheben, so viel oder wenig man möchte. Barabhebungen mit normalen EC-Karten kosten jeweils bis zu 4,50 € pro Abbuchung. Mit der zum Konto zugehörigen EC-Karte kann man in Geschäften bargeldlos kostenlos bezahlen. Achtung: Das funktioniert nicht immer in allen Geschäften und hängt von deren Kartenterminals ab!

Ausrüstungstipps:

Speziell für den Camino Francés für die o.a. Jahreszeit:

  • kein Zelt, keine Isomatte!!
  • Wanderstiefel: HANWAG Banks GTX
    • Tipp: mit Bundeswehrsocken anprobieren und tragen, aber kein Combed Blasenpflaster!!
    • vorher die Stiefel einlaufen mit Probewanderungen (20 – 25 km mit ca. 12 kg Gepäck)
  • außerdem: Trekking-Sandalen und 1 Paar Badelatschen zum Duschen
  • 1 Paar Trekkingstöcke (Teleskop zum ausziehen, wegen Bahn oder Fluggepäcktransport)
  • Rucksack: Outdoorer Tour Bag 50
    • dieser Rucksack ist für den Camino völlig ausreichend und hatte auch noch Platzreserven
    • praktische Handhabung, regendicht
  • Schlafsack: moorhead von Karstadt, leichter Schlafsack mit Reißverschluss als Decke
    • Tipp: dazu inliegend einen Leinenschlafsack
  • Regenponcho: Hock Kraxen-AS Rucksack-Poncho
    • Tipp: besser geeignet als eine einfache Rucksackhülle
  • Hosen: 2 Trekkinghosen mit Zippverschluss
  • Unterhemden: 3 Unterhemden Merino/Seide
    • Tipp: Houdini u. Engel
  • 2 Pullover mitteldick
  • Microfaser-Handtücher und ev. Waschlappen
  • kl. Taschenmesser, kl. Schere, Wäscheklammern
  • Klebeband, am besten elastisches Gewebeband (z.B. Panzertape)
  • Pilgerausweis („Credencial“), vorher bestellen

Wenn man das Buch von H. Kerkeling als Maßstab nimmt, dann ist in Spanien wohl seitdem sehr viel in den Ausbau des Camino investiert worden. Die Wegekennzeichnung mit Pfeilen und Muscheln ist durchweg gut, manches Mal etwas irreführend (s. unten).

JakobswegIch habe lange darüber nachgedacht, ob, und mit welchem Handy ich diese Wanderung machen soll. Letztendlich entschließe ich mich dazu, mein Smartphone S4 mitzunehmen, weil es drei Geräte in sich vereinigt:

  1. einen Fotoapparat, der qualitativ recht ordentliche Aufnahmen macht (Ausnahme: Gegenlichtaufnahmen und Aufnahmen mit wenig Farbkontrasten), am Ende sind es fast 2.000 Fotos geworden;
  2. weil ich noch in Deutschland die entsprechenden Karten vom Camino Francés (Jakobsweg) über die App outdooraktiv auf mein Handy geladen habe, habe ich während meiner Wanderung mich immer mit Hilfe von GPS über meine genaue Position orientieren können;
  3. als Telefon, um in den überlaufenen Regionen mir rechtzeitig einen Schlafplatz zu reservieren.

Als Reiseführer habe ich den Outdoor-Führer von R. Joos verwendet, eigentlich nur noch:

  • für die Auswahl und Bewertungen der Herbergen ( da kann man sich im Einzelfall sicher auch streiten über die Bewertungsmaßstäbe des Autors) und
  • für bestimmte Varianten in der Wegführung, die sich durchweg gut bewährt haben

Mein Packvorschlag für den Outdoorer Tour Bag 50:

  • unteres Fach: Schlafsack, Leinenschlafsack, Regenponcho, Regenjacke
  • mittleres Fach: Tagesproviant (Brot, Käse Wurst), dann Kleidung
  • Unterwäsche ins Schmalfach innen am Rücken
  • Deckelfach: Batterieladegerät, Löffel, Wäscheklammern, Klebeband, Schnur, kl. Schere
  • Außenfächer: Waschsachen, Medikamente, Verbandszeug, Wasserflaschen (2 x 0,5 l pro Tag)

Die letzten zwei Wochen vor der Abreise habe ich frei bekommen, die Zeit vergeht wie im Flug. Beim Probepacken mit einer elektronischen Gepäckwaage komme ich auf 13 kg ohne Trinkflaschen + eine Umhängetasche für den Kleinkram mit 1,5 kg. Das ist eindeutig zu schwer!! Also muss alles nochmal überprüft werden. Ich entschließe mich rasch, noch einen leichteren Schlafsack bei Karstadt zu kaufen.

Das Messertool von Leatherman ist nicht ausreichend und muss zurückgeschickt werden, ich recherchiere mit viel Zeit nach naturbelassener Funktionsunterwäsche.

Der Leinenschlafsack, im Internet bestellt, kommt und kommt nicht. Nach Rücksprache mit Amazon bestelle ich ihn erneut bei einem anderen Lieferanten und habe dann zwei Tage vor Abfahrt mit einem Mal 2 Leinenschlafsäcke!

Am Nachmittag vor meiner Abreise mache ich noch eine Probewanderung mit vollem Gepäck hier entlang des Elbe-Lübeck-Kanals von Berkenthin (Krs. Hzgtm. Lauenburg) nach Lübeck (von Süd nach Nord). Zu meinem Erstaunen entdecke ich an den Leitungsmasten das Muschelsymbol des Jakobsweges. Folglich ist auch dieser Weg ein Teil des Systems von Pilgerrouten nach Santiago de Compostela. Bei einer solchen Wegmarkierung halte ich an, um meinen Rucksack umzupacken. Ein Familienvater erklärt seinen Kindern gerade die Bedeutung des Muschelsymbols, dreht sich zu mir um, deutet auf mich und sagt: „Der Herr dort, der wandert sicher auch nach Santiago…“ und setzt dann erschrocken hinzu: „ Aber, Sie wandern ja genau in die falsche Richtung, weil Santiago, das liegt doch im Süden…“. Ich lache und kläre ihn über den Zweck meiner Probewanderung auf.

Pyrenäen

Dann kommt die Abfahrt am 22. August vom nahegelegenen Bahnhof Flughafen. Trotz aller guten Planung, bleibt doch einiges liegen: z.B. der Sonnenhut. Als ich im TGV nach Paris mein Handy aufladen will, fehlt das Ladegerät und auch der Pilgerausweis ist nicht da. Zu dem Zeitpunkt habe ich bei meinem Tour Bag 50 Rucksack noch nicht entdeckt, dass die Deckelklappe 2 Innentaschen hat ─ eine von innen und eine von außen. Also besorge ich mir Ersatz und habe am Ende zwei Ladegeräte und zwei Pilgerausweise.

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, so auf sich selber gestellt unterwegs zu sein. Am Bahnhof in Bayonne bin ich wohl der einzige Rucksacktourist, aber in dem kleinen Triebwagen Richtung St. Jean wimmelt es dann nur so vor Pilgern.

Jakobsweg

Auch das kleine nette Städtchen St. Jean selber ist voller Touristen und ich bin froh, für die erste Nacht mir eine Herberge im voraus per Internet gebucht zu haben.

St. Jean ist ein nettes hübsches Städtchen, dass mich mit strahlendem Sonnenschein empfängt und schon eine Vorahnung auf die Pyrenäen-Überquerung bietetJakobsweg - PyrenäenAuffallend sind überall die großen zweisprachigen Ausschilderungen (baskisch / französisch ) und Beflaggungen.

Tipp: Unbedingt das Pilgerbüro aufsuchen, um die aktuellen Wetterbedingungen zu erfragen. Wer wegen Fahrlässigkeit (mangelhafte Ausrüstung oder entgegen der aktuellen Wetterwarnung) aus Bergnot abgeborgen werden muss, wird zur Kostenbeteiligung herangezogen!

Tipp: Pyrenäenüberquerung in 2 Etappen planen mit Übernachtung in Orisson nach ca. 8 km oder Kahjola (weil preisgünstiger).

Tipp: Quartier in Orrison / Kahjola oder Roncesvalles vom Pilgerbüro in St. Jean aus reservieren lassen.

Noch etwas Proviant für die nächsten zwei Tage werden eingekauft und ich nehme die Strecke für den nächsten Morgen schon mal in Augenschein.JakobswegAm nächsten Morgen, Montag den 24. August beginne ich meinen Aufstieg in St. Jean auf 200 m Höhe. JakobswegIch verlasse die Stadt durch das Tor um 9 Uhr und bald beginnt die Sonne kräftig zu brennen. Die Sonnencreme kommt rasch zum Einsatz und die Trekkingstöcke geben mir bei der andauernden Steigung genügend Anschub.

Nach drei Stunden habe ich mein Tagesziel „Kahjola“ (750 m) erreicht, das ist schon mal die Hälfte der Höhenmeter bis zum Col de Lepoeder (1.400 m). Trotz der warmen Sonne weht ein kalter Wind, und wenn die Sonne hinter Wolken oder den Bergen verschwindet, wird es empfindlich kalt.JakobswegOrisson liegt wunderschön mit Ausblick auf das Bergpanorama, hat aber für die Übernachtung gehobene Preise. Kahjola ist da schon deutlich günstiger (allerdings dann ohne Verpflegung).JakobswegJakobswegAm nächsten Morgen beginne ich um 8 Uhr mit dem Hauptaufstieg. Zunächst geht es mit einigen Steigungen auf einer kleinen asphaltierten Straße immer bergan.Jakobsweg Jakobsweg JakobswegAußer mir sind noch viele andere Wanderer unterwegs. Es gibt keinerlei Bäume oder sonstigen Wetterschutz auf der ganzen Strecke bis zum Lepoeder-Pass (5 ½ Std mit Pausen) mit Ausnahme von zwei Schutzhütten. Es ist so kalt trotz strahlender Sonne, dass man sich nur in der Schutzhütte aufhalten mag.

Der Rolandsbrunnen, Ort einer sagenträchtigen Schlacht aus der Zeit Karls des Großen, kommt recht unspektakulär daher. Jakobsweg - RolandsbrunnenSchließlich bin ich um 13:30 Uhr am höchsten Punkt angelangt, dem Col de Lepoeder.

Jakobsweg - Col de Lepoeder

Tipp: Unbedingt beim Abstieg nach Roncesvalles den steilen Direktabstieg vermeiden und die gemäßigte Strecke rechts Richtung Aztakarri wählen.

Der Abstieg nach Roncesvalles zieht sich nochmal tüchtig in die Länge und der kalte Wind ist verschwunden, dafür brennt die Sonne wieder kräftig, bis ich nach weiteren 1 ½ Stunden endlich das Kloster erreiche. Die Klosteranlage selber ist schon beeindruckend, aber für Pilger ist es eher eine „Schlaf-Fabrik“ mit mehreren hundert Betten.Jakobsweg→ Tipp: Entweder rechtzeitig ankommen (15 Uhr, sonst u.U. Unterbringung in Schlafcontainern) oder noch zwei Orte weiterwandern nach Espinal (7 km).

Hier geht’s weiter: Mit Rucksack pilgern auf dem Jakobsweg, Teil II: Navarra