Trekking Fahrradtour Stuttgart – Gibraltar

In 53 Tagen fährt Jan Kirsten auf seiner Fahrradtour nicht um die Welt, aber die beachtenswerte Strecke von Stuttgart nach Gibraltar. Ausgestattet mit Ultraleichtzelt Trek Santiago, Leichtschlafsack Trek Night und selbstaufblasbarer Isomatte Trek Bed 1 beschreibt er seine 3.200 km auf dem Fahrrad. Dabei gibt er Tipps für die richtige Outdoor Ausrüstung auf dem Fahrrad. Wir bewundern diese Leistung nicht nur, sondern bekommen bei diesem Fahrad Trekking Reisebericht gleich Lust, es ihm nachzutun.

Fahrradtour nach Gibraltar

Inspiriert von einigen Spanien-Urlauben, in denen ich mir oft ein Fahrrad gemietet hatte und meist dabei dachte, das eigene Fahrrad wäre doch angenehmer. Warum also nicht gleich mit dem Fahrrad von Stuttgart aus los radeln!? Aus ursprünglicher Schnapsidee kristallisierte sich mehr und mehr die Machbarkeit heraus, zudem nach nun 35 Arbeitsjahren eh ne kleine Auszeit fällig war. Per Fahrrad ist für mich sowieso die ideale Reisemöglichkeit, schnell genug, um voran zu kommen, langsam genug, um alles mitzubekommen. So wählte ich als Ziel, um möglichst viel zu sehen, das (fast) südlichste auf der iberischen Halbinsel: Gibraltar.

Trekking Radtour planen – passende Outdoor Ausrüstung

Nachdem meine bislang längsten Fahrrad-Touren vielleicht mal Stuttgart-Bodensee waren, erst mal bissle Planung und Vorbereitung: Zur Tourenplanung Frankreich- und Spanien-Karten besorgt:

20170619_die Route

Die Ausrüstung im Netz recherchiert, was am kleinsten und am leichtesten ist.

Schließlich wurde ich bei outdoorer mit Zelt Trek Santiago, Schlafsack Trek Night und Isomatte Trek Bed 1 als solches fündig, und das zu sehr vernünftigen Preisen. Probeschlafen auf der schwäbischen Alb war Anfang April bissle frisch, aber ging.

20170409 zelt auf der alb

Und im Nachhinein: Obwohl das Zelt einen recht filigranen Eindruck macht (wohl dem Gewicht und Packmaß geschuldet), alles top – nach zigmaligem Aufbau!!

2 Satteltaschen Backroller Pro Plus, Rackpack 31, kleine Außentasche und Flaschenhalter jeweils von Ortlieb, weil so ziemlich die größten und zudem ohne extra Überzieher wasserdicht (was beim verregneten Start recht hilfreich war). Das Fahrrad selber ein Carver Sonic 160, Eigenmarke von Fahrrad XXL Walcher in Deizisau. Fahrradreifen habe ich mir zum Glück etwas breitere (28×1,6″) aufgezogen, man kommt doch hin und wieder unfreiwillig auf Schotter oder sandige Wege.

Ach ja, für mich ganz wichtig:  Ein Rückspiegel! Denn man ist doch öfters auf Hauptverkehrsstraßen mit Auto- und LKW-Verkehr unterwegs, vor allem in Spanien (aber weniger tragisch, weil meist breite Seitenstreifen vorhanden sind).

Reise nach Gibraltar mit dem Fahrrad

Tja, nachdem nun Ausrüstung vorhanden war, und ich schon einigen Leuten vom Vorhaben erzählt habe, musste es auch losgehen: Am 22. April 2017.

Zunächst für mich eine bekannte Strecke Richtung Bodensee mit erster Zeltübernachtung in Nussdorf.

Über den Rheinfall hinweg war ich dann auch schon bald in Frankreich, wo man halt durch muss, wenn man nach Spanien will.

Bisher als Notwendigkeit gesehen, möchte ich mich dafür hiermit bei allen Franzosen entschuldigen: In Sachen Landschaft, Freundlichkeit und vor allem das Fahrradwegenetz – echt toll!! (Ach ja, und die Croissants natürlich).

Die Route war recht simpel:

Von Basel aus folgend dem gut ausgeschilderten „Eurovelo 6“ bis Chalon,

und dann den genauso gut beschilderten „ViaRhona“-Radweg zum Mittelmeer.

Bei Avignon haben mich leider 3 Tage Regen erwischt, also blieb ich lieber, als im Regen rumzuradeln. Im Zelt war alles trocken!!, das Zelt selber mit vielen Schlaufen ausgestattet, so dass ich mir ein „Regendach“ basteln konnte. Glücklich noch dazu, dass Avignon eine wirklich schöne Stadt ist, so war der „Zwangsaufenthalt“ recht kurzweilig.

Kulinarisch ist Frankreich selbst beim Dosenfutter interessant. Coq au vin war echt lecker.

Dann in Sete endlich am Mittelmeer mit wirklich tollen darauffolgenden Radwegen.

Dann ging es auch recht bald Richtung Pyrenäen. Da hab ich mir „zum Glück“ eine flachere Überquerung auf der beschilderten EuroVelo 8 rausgesucht. Zum Glück tatsächlich, weil höher oben am 18. Mai noch Schnee lag –

– „Glück“ ironisch gemeint, weil der Fahrradweg ab der spanischen Seite zwar ausgeschildert ist, aber quasi kaum vorhanden war. So war öfters Gepäck und Fahrrad über Stock und Stein (und durchs Wasser) tragen angesagt.

Zur Belohnung war ab jetzt wettermäßig fast nur noch Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen bis zum Ende der Reise.

In Barcelona war gerade Auto-Messe, also entsprechend viel los.

Vorbei an meinem Lieblings-Bier (welches übrigens aus Reis gebraut wird),

zu einem der schönsten Campingplätze direkt am Meer

mit netter Gesellschaft.

Zu „netter Gesellschaft“ sei übrigens zwischendrein gesagt, dass ich auf der gesamten Tour nie wirklich alleine war. Immer gab es interessierte Leute, die mich ansprachen, mir Werkzeug liehen, mich zum Getränk einluden (danke an Benedikt), mir anderswie halfen (bis hin zum Schnellsprachkurs von Francis abends im Campingplatz-Restaurant) oder – wie Miguel aus Cadiz mit Freunden – mich zum gemeinsamen Abendessen einluden.

So, aber nun ist erst mal wieder Fahrrad tragen angesagt – diesmal, weil ich mich zu sehr aufs Navigationsgerät verlassen habe, welches mir sonst gute Dienste leistete.

Dafür geht’s wunderschön nach Denia weiter.

Ab da wird allerdings der Boden so trocken und hart, dass ich mir kurzerhand Stahlnägel besorgt habe, weil kein Zelthering mehr in den Boden wollte.

In Benidorm zwar tourimäßiger, aber weil noch Vorsaison schöner Strand, wenn man von den Bausünden absieht.

In Calp bekam ich vom Campingchef ungefragt extra stabile Nägel, welche ich sogar behalten durfte.

In Alicante müsst ihr unbedingt im Tablas zum Tapas essen!! Die laufen die ganze Zeit mit verschiedenen Tapas-Tabletts rum und man nimmt sich, was einem gefällt. Und noch dazu super lecker!

Weiter Richtung Cartagena wurde es einsamer und bergiger, so beschränke ich mich mal auf Bilder mit Untertiteln:

Cartagena Bahnhof

La Unión

Mazarrón

Almeria

Carboneras

Carboneras

Im folgenden Calahonda hat es mir persönlich bislang am besten gefallen, könnte ich mir zum ruhigen Urlaub machen gut vorstellen. Weiß allerdings nicht, wie es da zur Hauptsaison aussieht.

Nun ging es weiter durch endlose Gemüseanbaugegend, sodass ich häufig tolles, vom Laster gefallenes Gemüse aufgelesen habe, frischer, als es in jedem Laden zu kaufen gibt.

Neugierige Beobachter gab es nicht nur in menschlicher Form.

Die Spanier natürlich stolz auf ihren Stier

In Malaga unbedingt im La Tranca Pinchos essen!! Urig, lecker, freundliche Bedienung, Rechnung mit Kreide auf dem Tresen.

Landschaftlich geht es interessant weiter, auch wenn mal wieder ein paar Berge dazu gehören.

Nachts spare ich mir mittlerweile bei Temperaturen um die 20 Grad, das Zelt aufbauen. Mein Arbeitskollege Gerry bei der Holzmanufaktur in Stuttgart brachte mich auf die Idee, eine Hängematte mitzunehmen.

Und natürlich wieder mit Gesellschaft.

Das Ziel rückt näher, zum Glück mein Lieblings-Bier dabei, um den ersten Anblick nach einem weiteren heftigen Anstieg in Ruhe zu genießen.

So, nun folgen noch ein paar „Beweisfotos“, dass ich auch wirklich auf Gibraltar war:

Und noch eines,  speziell gewünscht von meinem Kollegen Christian:

Tja, nun ist Halbzeit, vielleicht.

Jetzt radel ich gemütlich die paar Kilometer nach Cádiz, wo mich meine liebe Ehefrau Manuela für zwei Wochen per Flugzeug besucht. Hier werden wir gemeinsam entscheiden, ob ich über Portugal – Frankreich wieder nach Hause radel, oder wir zusammen den schnelleren Weg per Flugzeug nehmen.

Wenn die Entscheidung für die deutlich schönere Reiseart fällt, seht Ihr eventuell den Folgebericht in zwei bis drei Monaten in diesem Blog.

Von hier grüßt herzlich

Jan Kirsten

Habt ihr Lust auf weitere Fahrrad Reiseberichte? Dann empfehlen wir Bernd Strempel mit seiner Trekking Radtour an der Mosel, in der Eifel und am Rhein.

9 Comments

Was sagst du dazu?