Sri Lanka Reisebericht – Backpacking von Ella nach Haputale

„Slow Travel“ lautet die Devise für Steffen und Farina, die beiden Reiseblogger von Oceans and Mountains. Aktuell legen sie nach einer 15-monatigen Reise einen Zwischenstopp in Deutschland ein und nutzen den „Heimaturlaub“, um uns in diesem Sri Lanka Reisebericht einen Einblick in 3 Monate, die sie im wahrsten Sinne des Wortes in vollen Zügen genossen, zu geben. Mit dabei: Unser Backpacker Rucksack 4 Continents 85+10. Außerdem geben sie 13 so informative wie spannende Sri Lanka Reisetipps.

Zugfahren in Sri Lanka – von Ella nach Haputale

Es ist heiß, wir stehen an den Schienen und betrachten die Menschenmenge um uns herum. Wir sind in Ella, dem kleinen Bergdorf in Sri Lanka, das Tag für Tag Touristen aus aller Welt anlockt und die gefühlt nun alle mit uns auf unseren Zug nach Haputale warten. Ella ist ein kleiner, idyllischer Ort im zentralen Hochland Sri Lankas und bekannt für seine wunderschöne Natur und seine Wanderwege. Wir haben ein paar Tage hier verbracht. Steffen ist auf den Ella Rock gewandert und wir waren auf dem Little Adam’s Peak. Beide Berge sind traumhaft schön und einen Ausflug wert. Das eben so kleine Haputale, zu dem wir heute aufbrechen, ist weniger bekannt. Es ist Ausgangspunkt zum Lipton’s Seat, dem Ort, aus dem der berühmte Lipton Tee kommt und wir sind gespannt, was uns hier erwarten wird.

Zugfahren in Sri Lanka ist ein Erlebnis – unsere Rucksäcke sind schon auf dem Weg

Zugfahren ist in Sri Lanka oft abenteuerlich. So wie heute. Wir sind auf die letzte Minute unterwegs und unsere Rucksäcke fahren zusammen mit dem Besitzer unserer Unterkunft im Auto schon einmal vor in den kleinen, rund 22 Kilometer entfernten Nachbarort. Schnell haben wir am Morgen unsere Sachen gepackt und die Rucksäcke im Auto verstaut. Da sie uns immer gute Dienste leisten, haben sie sich heute einen freien Tag verdient. Wir hätten auch mit dem Auto fahren können, aber wir wollten nicht – denn die Zugfahrt von Ella nach Kandy soll eine der schönsten der Welt sein und wir wollen uns nicht nehmen lassen, heute einen Teil davon zu erleben.

Fahrkarten kauft man direkt vor der Zugfahrt am Bahnhof

Froh darüber, dass unser Gepäck gut untergebracht und vermutlich schon angekommen ist, haben wir uns auf den Weg zum Bahnhof gemacht, der sich nur einen kurzen Spaziergang von unserer Unterkunft befindet. Am Bahnhof angekommen stellen wir uns an den Schalter, um unsere Fahrkarten zu kaufen. Fahrkarten kauft man in Sri Lanka in der Regel direkt vor der Fahrt am Bahnhof. Wir müssen kurz warten, denn vor uns hat sich eine kleine Schlange gebildet. Es ist recht voll an dem kleinen Bahnhof, der sonst eher verlassen daliegt. Wir lösen ein Ticket für die 2. Klasse. In die 1. Klasse wollen wir nicht, denn dort kann man die Fenster nicht öffnen. Der Reiz an einer Zugfahrt in Sri Lanka ist, dass man in der geöffneten Tür sitzen, sich den Fahrtwind um die Nase wehen lassen kann und die einmalige Landschaft an sich vorüberziehen lässt, da wäre es schade, hinter verschlossenen Türen zu sitzen.

Im Bahnhof von Ella

Der Zug fährt in den Bahnhof ein

Im Zug werden wir von Musik begrüßt

Noch stehen wir am Bahnhof und blicken erwartungsvoll die Gleise entlang, auf denen Menschen zum Bahnsteig laufen. Was bei uns verboten ist, gehört in Sri Lanka zum Alltag.Die Schienen entlangzulaufen ist nichts Besonderes. Von Weitem hört man bereits das Signalhorn des sich nähernden Zuges, bevor er auftaucht und kurz danach ruckelnd vor uns zum Stehen kommt. Zusammen mit den Touristenströmen werden wir zu den Türen des ankommenden Zuges gedrängt. Irgendwie komisch, in diesem kleinen und beschaulichen Ort so viele Menschen um sich zu haben. Als wir einsteigen, werden wir bereits von Musik begrüßt. Auf den Sitzplätzen gegenüber von uns machen ein paar junge Sri Lanker mit ihren Instrumenten Musik. Sie trommeln und singen und ihre gute Laune schlägt schnell auf uns über. In Sri Lanka kann es häufig vorkommen, dass du auf den Fahrten von musizierenden Sri Lankern begleitet wirst. So haben wir schon im Zug bei Geburtstagen mitgefeiert und getanzt oder einfach nur der Musik zugehört und uns über die tolle Stimmung gefreut.

Sri Lanker am Musizieren

Im Zug gibt es genügend Platz für Rucksäcke und anderes Gepäck

Es ist nicht zu voll im Abteil und wir haben einen guten Sitzplatz gefunden. Heute müssen wir uns nicht um unser Gepäck kümmern. Wobei wir trotz der Menschenmenge am Bahnhof, die nun mitfährt, genügend Platz im Zug gehabt hätten. In der Regel ist es sehr einfach, mit Wanderrucksack in Sri Lanka Zug zu fahren. Einen Platz für unser Gepäck finden wir eigentlich immer. Lediglich das Ein- und Aussteigen kann an manchen Bahnhöfen schwieriger sein, da die Türen schmal oder die Treppenstufen manchmal weiter vom Boden entfernt sind. Schwierig kann es auch sein, wenn der Zug überfüllt ist, da kann es manchmal schon sehr eng werden mit den großen Rucksäcken und man muss sich zwischen den Menschen hindurchquetschen. Aber das ist beim Busfahren ähnlich und gepasst hat es bisher immer irgendwie.

Der Zug fährt an und wir lassen die Landschaft an uns vorbeiziehen

Der Zug fährt langsam an, die Landschaft zieht am Fenster vorbei und unsere gute Laune mischt sich in den Rhythmus der Lieder um uns herum. Anders als auf anderen Fahrten sind die meisten Menschen, die von Ella aus mit dem Zug losfahren, Touristen. Diese mischen sich jedoch im Zug und an den kommenden Haltestellen mit Sri Lankern, die von einem Ort zum nächsten reisen.

Wir schauen aus dem offenen Zugfenster, vor uns die Berge, Teefelder und kleinen Ortschaften des zentralen Hochlandes. Wir befinden uns mitten im Herzen Sri Lankas, umgeben von einer Bilderbuchlandschaft und kommen aus dem Schwärmen nicht heraus. Kleine Häuser wechseln sich mit einzelnen Bäumen ab – in einem Meer aus bergigem Grün. Teepflücker stehen in den Feldern und pflücken Teeblätter oder sie laufen mit ihren Körben die Wege zwischen den Sträuchern entlang. Die Landschaft ist vielfältig, die Sicht weit und die Sonne strahlt vom Himmel auf die sanften Hügelkuppen.

Der Zug fährt durch die grünen Berge

Teepflücker am Rand der Zugstrecke

Wir sitzen in der offenen Zugtür – beim Zugfahren weiß man nie genau, was einen erwartet

Wir verlassen unsere Plätze und setzen uns in die offene Zugtür. In Deutschland unvorstellbar, hier vermittelt es ein Gefühl von Freiheit. Die warme Luft weht herein und wir verlieren uns in Gedanken über unsere Reise. Zugfahrten könnten in diesem Land unterschiedlicher nicht sein. In Sri Lanka weiß man vorher nie genau, was einen erwartet. Wir hatten auf unserer Reise alles. Von Fahrten in der sprichwörtlichen Holzklasse, da wir wirklich auf Holzbänken gesessen haben, bis hin zu Waggons, die es so in Europa geben könnte, von leeren Zugabteilen bis hin zu überfüllten Wagen, in denen kein Durchkommen mehr ist. So wie auf unserer nächsten Zugfahrt von Haputale nach Ohiya, die zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch in einiger Ferne liegt und von der wir im Moment noch nichts wissen. In der sich die Koffer und Rucksäcke im Gang vor der Toilette stapeln und wir irgendwo eingeengt mit unseren großen Rucksäcken zwischen anderen Reisenden und dem Gang stehen.

Wir sitzen in der offenen Zugtür

Tolle Ausblicke aus dem fahrenden Zug

Wir fühlen uns zwischen Abenteuerurlaub, lauem Sommertag und purer Lebensfreude

Der Zug rattert über die Gleise und der Ausblick ändert sich. Wir fahren durch kleine Waldstücke und haben den Blick in Täler. Vor uns kommt ein Eisenbahntunnel, wir ziehen unsere Köpfe und die Beine ein. Kurz wird die Welt dunkel und laut, als der Zug durch den schmalen Durchgang fährt. Begleitet von lauten Jubelrufen der Reisenden sehen wir Licht am Ende des Tunnels und die Landschaft hat uns wieder. Zwischendurch kommen Verkäufer vorbei, die Getränke und Essen verteilen. Unser Gefühl befindet sich irgendwo zwischen Abenteuerurlaub, lauem Sommertag und purer Lebensfreude. Wir können uns nicht sattsehen an der Natur, dem wunderschönen Land und den freundlichen Menschen. Die Sri Lanker sind so warme und herzliche Menschen, die sich für die Besucher ihres Landes interessieren und bei denen Gastfreundschaft groß geschrieben wird.

Farina genießt die Fahrt im Zugabteil

Steffen steht an der offenen Zugtür

Zugfahren ist eines der Highlights in Sri Lanka

Hinter uns singen die vier jungen Männer mit ihren Instrumenten, während sich vor uns die nächste Ortschaft auftut. Wir fahren vorbei an einem großen Cricketplatz – Cricket ist der beliebte Nationalsport Sri Lankas – und ein kleiner Markt taucht auf und ist ebenso schnell wieder verschwunden. Die Zugfahrten in Sri Lanka sind ein echtes Erlebnis und gehören mit zu den Highlights einer Reise durch das Land. Wir haben uns viel erhofft und sind nicht enttäuscht worden. Der Zug wird langsamer. Am Bahnhof erkennen wir schon das typisch weiße Schild der Ortschaft mit schwarzer Aufschrift – Haputale. Wir stehen auf und machen uns auf den Weg zur Tür.

Der Cricketplatz in Haputale

Am Bahnhof werden wir abgeholt – unsere Rucksäcke warten bereits auf uns

Als wir den Bahnsteig betreten, sind wir erstaunt. Verglichen mit den vielen Menschen im Zug, ist es hier umso leerer. Wir werden von unserem neuen Gastgeber am Bahnhof abgeholt. Er ist der Freund unseres alten Gastgebers und hat unsere Rucksäcke bereits bei sich im Hotel stehen. Sein Hotel ist nicht weit vom Bahnhof entfernt – wie fast nichts in Haputale, aber das erfahren wir erst später. Zunächst einmal folgen wir ihm nach einer kurzen und freundlichen Begrüßung. Wir gehen durch die Straßen des kleinen Ortes und tauchen ein in das Treiben um uns herum. Alles wirkt sehr beschaulich, trotzdem sind viele Menschen auf den Straßen. Alles wirkt anders als bisher. Die Hautfarbe der Menschen ist dunkler, sie kleiden sich anders und die hohe und feuchte Bergluft schafft bei Sonnenschein ein ganz besonderes Flair. Unser Gastgeber führt uns zwischen kleinen Häusern und Ständen vorbei – alleine hätten wir den Weg bis in sein Hotel nicht gefunden. Hier angekommen stehen unsere Rucksäcke schon in einem der schönsten Zimmer, die wir auf der Reise bisher hatten. Wir haben den Blick von den Bergen ins Tal, einen kleinen ruhigen Balkon und ein neues Bad. Voller Vorfreude machen wir es uns gemütlich und packen dann unsere Sachen aus unseren Rucksäcken. In den nächsten Tagen werden wir hier noch einiges erleben und wir sind voller Vorfreude. Wir wollen die Umgebung Haputales erkunden und einen Ausflug in die Teefelder machen, aber das ist eine andere Geschichte.

Unser gesamtes Gepäck am Bahnhof

Mehr über Sri Lanka sowie Tipps und Tricks findest du in diesem Beitrag oder auf unserem Reiseblog Oceans and Mountains. Dort findest du auch weitere spannende Reisegeschichten.

Liebe Grüße

Farina und Steffen 💛

– Oceans and Mountains  – www.oceansandmountains.de

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