Licht im Gepäck: Mit 500 kg Solaranlagen und einer Maultierkarawane in Richtung Thati – für den guten Zweck nachhaltig reisen mit reisefroh

Anne und Sebastian von reisefroh gehen weit über die allgemeine Definition von nachhaltigem Tourismus hinaus. Mit dem Ultraleichtzelt Trek Escape und der selbstaufblasbaren Isomatte Trek Bed 2 ausgestattet installieren sie weltweit in abgelegenen Gegenden mit Haushalten ohne Strom Solaranlagen. Mit diesen nachhaltigen Reisen machen sie die Welt zu einem besseren und helleren Ort. Im 1. Teil – „In 100 Solaranlagen um die Welt“ – berichten sie über bisher erzielte Erfolge und stellen ihr Projekt vor – nun geht es für sie nach Thati ins  Himalayagebirge, wo sie ein ganzes Dorf elektrifizieren.

In unserem ersten Artikel haben wir bereits über unser gemeinnütziges Projekt „In 100 Solaranlagen um die Welt“ berichtet. Wir haben erzählt, wie wir auf die Idee gekommen sind, elektrisches Licht in die entlegensten Gegenden der Welt zu bringen und wir haben unser bisher größtes Projekt angekündigt: Die Elektrifizierung eines ganzen Dorfes mitten im Himalaya! Heute, etwa zwei Monate später, ist das Projekt erfolgreich abgeschlossen. Unser Durchhaltevermögen wurde mal wieder an seine Grenzen gebracht und wir sind eingetaucht in eine völlig andere Welt, in ein Dorfleben wie im Mittelalter, das plötzlich einen Sprung in Richtung Neuzeit gemacht hat.

Auf unbefahrbaren Straßen in Richtung Projektdorf

Es ist 05:00 morgens, der Wecker klingelt und wir sind schon lange wach. Die Aufregung ist groß. So groß, dass wir die ganze Nacht kaum schlafen konnten. Dabei hätten wir den Schlaf gut gebrauchen können. „Hast Du alles?“, frage ich Sebastian. Er nickt, wir schließen die Tür und laufen durch die leeren Gassen Kathmandus zum vereinbarten Treffpunkt. Dort warten bereits ein Fahrer mit einem Jeep, 500 kg Solaranlagen und unser Übersetzer Binod auf uns, der, so scheint es, noch aufgeregter ist als wir. Es regnet, es ist kalt und wir beeilen uns, um das ganze Material möglichst unbeschadet auf den Jeep zu laden. Das Wetter bereitet uns große Sorgen, denn Thati – unser Projektdorf – werden wir nur bei gutem Wetter erreichen können…

Die nur 150 km kommen uns nicht nur wie eine Ewigkeit vor, sondern sie sind es auch. In Nepal mahlen die Mühlen langsam, das haben wir schon gemerkt, aber so langsam? Die Straßen sind nicht geteert und durch den Regen völlig aufgeweicht – für deutsche Verhältnisse unbefahrbar. Immer wieder müssen Traktoren kommen, um stecken gebliebene Autos und Busse abzuschleppen. Wir brauchen statt der geplanten 5 Stunden volle 10 Stunden und kommen erst bei Anbruch der Dunkelheit in der kleinen Stadt Soti an – dort endet die befahrbare Straße.

Straße in den Norden des Gorkha Distriktes in Nepal

Die offizielle „Straße“ in den Norden des Gorkha Distriktes in Nepal

In Soti wollten wir, so der Plan, noch am selben Tag zu Fuß in Richtung Thati aufbrechen. „Dafür ist es zu spät, oder?“ fragen wir Sete, einen Dorfbewohner Thatis, der bereits den ganzen Tag mitsamt einer Maultierherde auf uns gewartet hat. „Lasst uns morgen sehr früh aufbrechen. Vielleicht schaffen wir es dann, Thati zu erreichen“, antwortet er.

Mit der Solar-Karawane durch den Himalaya

Wieder klingelt der Wecker, dieses Mal ist es erst 04:00 morgens und stockfinster. Aber wir müssen uns beeilen und 500 kg Solaranlagen auf insgesamt 10 Maultiere verladen.

Licht im Gepäck - Eine halbe Tonne Solaranlagen inklusive Zubehör

Licht im Gepäck: Eine halbe Tonne Solaranlagen inklusive Zubehör

Endlich! Nach vollen drei Stunden haben wir es geschafft und die gesamte Maultier-Herde mit Solaranlagen beladen. Wir können aufbrechen und begeben uns auf einen langen, beschwerlichen Weg. Es ist neblig, eiskalt und wir wissen immer noch nicht, ob wir Thati heute erreichen werden. Falls die Sonne nicht rauskommt und die Wege trocknen, werden sie für die Maultiere unpassierbar sein und für uns zu gefährlich.

Nachhaltig reisen - Sebastian steht vor der beladenen Maultier-Herde

Sebastian steht vor der beladenen Maultier-Herde

Aufbruch der Maultierherde in Thati - Nepal

Nebel und klirrende Kälte am frühen Morgen – unsere Maultierkarawane bricht auf

Aber wir haben Glück! Nach vier anstrengenden Stunden, in denen wir im Zick-Zack nur bergauf gehen, zeigen sich die Sonne und die ersten spektakulären Aussichten auf den Himalaya.

Blick aufs Himalaya-Gebirge

Aussichtspunkt auf dem Weg in die Berge und Zeit für eine kleine Pause

Sattgrüne Reisfelder als Lebensgrundlage der hier lebenden Bevölkerung in Nepal

Sattgrüne Reisfelder als Lebensgrundlage der hier lebenden Bevölkerung

Solar-Muli auf dem Weg nach Thati

Ein Solar-Muli auf dem Weg nach Thati ;)

Aber nach einer nur kurzen Pause müssen wir weiter. Der Weg ist noch weit und steil.

Ankunft in Thati und Zelten im höchsten Gebirge der Welt

Erst mit Anbruch der Dunkelheit erreichen wir das abgelegene Bergdorf und sind völlig erschöpft. Acht anstrengende, kräftezehrende Gehstunden liegen hinter uns. Wir schlagen unserer Trekkingzelt Trek Escape von outdoorer auf, freuen uns, dass wir nur wenige Minuten brauchen, legen unsere Isomatten hinein und sind sehr froh darüber, dass sie selbstaufblasend sind. ;)

outdoorer Ultraleichtzelt Trek Escape in Thati - Nepal

Unser Zelt auf dem kleinen Schulhof Thatis (unter der Schaukel)

Ultraleichtzelt Trek Escape von outdoorer

Mitten in den Bergen war es gar nicht so einfach, einen ebenen Platz zu finden, der nicht für den Reisanbau genutzt wird

Das Bergdorf Thati lag im Epizentrum des verheerenden Erdbebens von 2015 und wurde völlig zerstört. Alle Dorfbewohner mussten fliehen und konnten erst zu Beginn des Jahres 2016 wieder in ihre Heimat zurückkehren. Noch heute sind sie mit dem Wiederaufbau beschäftigt und viele leben sogar zwei Jahre später noch in notdürftigen Bretterverschlägen. Da die Dorfbewohner ohne Ausnahme weder lesen noch schreiben können, konnten nur manche mithilfe von Bekannten aus anderen Dörfern die Zuschüsse und Hilfsgüter der Regierung beantragen. Einigen aber ist das nicht gelungen…

Wir sind sehr gespannt, was uns die nächsten Tage bei der Projektumsetzung erwartet, doch erst einmal sind wir froh, ein Dach bzw. Zelt über dem Kopf zu haben und tief und fest schlafen zu können. :)

Im nächsten und letzten Teil unserer Artikel-Serie berichten wir über unsere Erlebnisse während wir das gesamte Dorf mit Strom ausstatten! Wir werden erzählen, warum gerade einige der Frauen im Dorf in Tränen ausbrechen, über den erschreckenden und harten Alltag dieser Menschen, den wir uns irgendwie anders vorgestellt haben und darüber, wie es uns dabei selbst geht. Denn eines ist sicher: Wir werden die Grenzen unserer Komfortzone um Meilen übersteigen…

Alle Infos zu unseren gemeinnützigen Projekten gibt es auf der offiziellen Vereinsseite: www.sunhelp-international.com

Was sagst du dazu?